Guide · Marcel Steiert

Videoschnitt an die KI abgeben: mein Ablauf

Wie versprochen: mein kompletter Ablauf vom Handy-Video bis zum fertigen Reel, mit dem Auftrag für den Schnitt-Agenten zum Kopieren. Du filmst, redest einfach drauflos, und ein Agent in Claude Code macht daraus das fertige Video.

Der Agent sucht von jedem Satz den letzten vollständigen Anlauf heraus, schneidet in den echten Sprechpausen, legt einen einheitlichen Farb-Look drüber und baut auf Knopfdruck zu jedem Abschnitt eine passende Einblendung. Am Ende schiebst du vielleicht noch ein, zwei Schnitte um ein paar Bilder. Das ist eine Minute, kein Abend.

Was du brauchst: einen Mac oder Linux-Rechner, Claude Code (ab dem Pro-Abo) und ein Konto bei AssemblyAI für die Transkription. Programmieren musst du nicht, die Einrichtung macht Claude mit dir.
Was du bekommst: den Einrichtungs-Auftrag, die Dreh-Regeln für dich und dein Team, den Schnitt-Auftrag für jedes Video und die Schritte im Cut-Cockpit bis zum Export.
Was es nicht ist: ein Schnittprogramm für alles. Das System ist für hochkante Aufnahmen gemacht, in denen jemand in die Kamera spricht. Für Musik-Montagen oder Imagefilme brauchst du weiterhin jemanden, der schneiden kann.

Das Werkzeug dahinter

Der Schnitt-Agent ist das Open-Source-Projekt claude-shortform-cutter von Sebastian Kauffmann, frei nutzbar unter MIT-Lizenz. Ich nutze es für meine eigenen Videos. Es besteht aus zwei Agenten für Claude Code: dem shortform-cutter, der schneidet, und dem broll-ersteller, der die Einblendungen baut.

Abweichung vom Video: Untertitel macht die öffentliche Fassung bewusst nicht. Die setzt du nach dem Export in einer Minute in CapCut oder direkt in der Instagram-App. Alles andere aus dem Video ist drin.

Was es kostet, ehrlich

Stand Oktober 2026, laut claude.com/pricing und assemblyai.com/pricing. Preise können sich ändern.

In 5 Schritten vom Handy zum Reel

  1. Einmal einrichten

    Öffne Claude Code in einem Terminal und füge diesen Auftrag ein. Claude prüft zuerst, was auf deinem Rechner schon da ist, installiert das Fehlende mit dir und macht am Ende einen Testlauf.

    Einrichtung · In Claude Code
    Richte mir den Shortform-Cutter ein: https://github.com/sebaskauf/claude-shortform-cutter
    
    Ich bin kein Entwickler. Erklär mir jeden Schritt in normalem Deutsch, mach so viel wie möglich selbst und frag mich nur, wenn du etwas brauchst, das nur ich holen kann.
    
    So gehst du vor:
    1. Erst Inventur: Prüf, ob Python 3.12, ffmpeg, Node und git da sind. Zeig mir eine kurze Übersicht, was fehlt und wofür es gebraucht wird. Erst dann installierst du.
    2. Hol das Repo und lies die SETUP-PROMPT.md und die INSTALL.md darin. Beide sind an dich gerichtet. Führ die Einrichtung genau danach mit mir durch.
    3. AssemblyAI-Schlüssel: Führ mich Klick für Klick durch die Anmeldung, warte, bis ich den Schlüssel habe, trag ihn selbst in die .env ein und prüf ihn mit einem echten Testaufruf.
    4. Installier beide Agenten, den shortform-cutter und den broll-ersteller, und zeig mir, dass beide in ~/.claude/agents/ liegen.
    5. Sag mir, wann ich Claude Code neu starten muss.
    6. Testlauf mit einer kurzen Handy-Aufnahme von mir. Melde erst fertig, wenn das Cockpit im Browser Clips in der Timeline zeigt, proxy.mp4 im Arbeitsordner liegt und cockpit.json ein gefülltes src_video hat.
    
    Wenn etwas scheitert, zeig mir die genaue Fehlermeldung und was du dagegen tun willst.

    Rechne für die Einrichtung mit einer halben bis ganzen Stunde. Beim ersten Start fragt dich der broll-ersteller nach deinem Stil, also Farben und Schriftgefühl. Das passiert einmal, danach sehen alle Einblendungen gleich aus.

    Windows: Die öffentliche Fassung ist offiziell für Mac und Linux gebaut. Ich arbeite auf Windows mit einer angepassten Fassung, die ich mir von Claude habe bauen lassen. Das ist Bastelarbeit und keine Ein-Klick-Lösung. Wenn du die Wahl hast, nimm einen Mac.
  2. Drehen: die Regeln für dich und dein Team

    Der Agent kann nur schneiden, was in der Aufnahme ist. Mit diesen Regeln klappt es auch, wenn ein Verkäufer oder Mechaniker das erste Mal vor der Kamera steht:

    Dreh-Regeln zum Weitergeben
    So drehst du ein Video für unseren Kanal:
    
    1. Handy hochkant, auf Augenhöhe, nah ran. Gesicht und Oberkörper im Bild.
    2. Ruhiger Ort, kein laufender Kompressor oder Radio im Hintergrund. Der Ton ist wichtiger als das Bild.
    3. Einfach drauflosreden. Versprochen? Kurz Pause machen und den GANZEN Satz noch einmal von vorne sagen. Der letzte vollständige Anlauf kommt ins Video.
    4. Nichts herausschneiden, nichts löschen. Die komplette Aufnahme abgeben.
    5. Keine Kunden im Bild, keine lesbaren Kennzeichen, keine Preisschilder, die nicht mehr gelten.
    6. Video in Originalqualität weitergeben, nicht über WhatsApp (das verkleinert das Video).

    Wichtig für dich als Chef: Wer im Video zu sehen ist, gibt vorher schriftlich sein Einverständnis. Das gilt für Mitarbeiter genauso wie für alle anderen.

  3. Datei auf den Rechner

    Die Aufnahme muss auf den Rechner, auf dem Claude Code läuft. Vom iPhone auf den Mac geht das am schnellsten per AirDrop. Sonst per Kabel oder über einen Cloud-Ordner in Originalqualität. Leg dir einen festen Ordner an, zum Beispiel Videos/Rohmaterial.

    Im Betrieb heißt das: Das Team filmt, eine Person mit dem Rechner startet den Schnitt. Die anderen brauchen weder Claude Code noch ein eigenes Konto.

  4. Der Schnitt-Auftrag

    Das ist der feste Auftrag, den ich für jedes Video nutze. Pfad zur Datei einsetzen, die zwei Zeilen zum Inhalt kurz ausfüllen, abschicken:

    Schnitt-Auftrag · In Claude Code
    Schneide mir dieses Reel mit dem shortform-cutter: [PFAD ZUR VIDEODATEI]
    
    Worum es geht: [z. B. neues Fahrzeug auf dem Hof / Mitarbeiter aus der Werkstatt stellt sich vor]
    Was auf jeden Fall drinbleiben muss: [z. B. der Satz zum Liefertermin / nichts Besonderes]
    
    Bei mehreren Anläufen gilt der letzte vollständige. Schneide nur an echten Sprechpausen, nie mitten im Satz.
    Wenn du dir bei einer Stelle unsicher bist, schneide sie nicht, sondern nenn sie mir in der Übergabe.
    Öffne am Ende das Cut-Cockpit und prüf vorher selbst, dass die Timeline Clips zeigt.

    Nimmst du den Ton mit einem externen Mikrofon auf, gib die Tondatei mit: Die Tonaufnahme vom Mikrofon liegt hier: [PFAD]. Der Agent legt sie dann genau auf das Bild. Ohne Mikrofon nimmt er einfach den Ton vom Handy.

  5. Im Cockpit: kurz nachschieben, B-Roll, Export

    Wenn der Agent fertig ist, öffnet sich das Cut-Cockpit im Browser. Dort machst du nur noch drei Dinge:

    • Durchschauen und nachschieben. Manchmal sitzt ein Schnitt ein paar Bilder zu früh oder zu spät. Das ziehst du in der Timeline zurecht. Rechne mit etwa einer Minute.
    • „B-Roll erstellen“ drücken. Für jeden Abschnitt entsteht eine kurze Einblendung, passend zu dem, was dort gesagt wird. Der erste Abschnitt bleibt frei für deinen Einstieg, der letzte für den Aufruf am Schluss.
    • Exportieren. Du bekommst ein fertiges Video in 1080 × 1920, mit einheitlichem Farb-Look und angeglichener Lautstärke.

    Danach noch Untertitel in CapCut oder in der Instagram-App setzen und hochladen. Das Hochladen machst du selbst, das System endet beim fertigen Video.


Ehrlich gesagt: die Grenzen

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